Verschwendung eliminieren mit Hilfe der REFA-Ablaufarten

Die Frage, ob ein Arbeitsvorgang wertschöpfend ist oder nicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Insbesondere gibt es keine Tabellen, in denen nachgeschlagen werden kann, ob ein spezifischer Arbeitsvorgang wertschöpfend ist oder nicht. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Wertschöpfung immer abhängig vom Endkunden ist. Der letzte Blog-Beitrag  hat ein methodisches Vorgehen zur Bestimmung der Wertschöpfung vorgestellt.

Im betrieblichen Alltag reicht es jedoch in der Regel nicht aus zu wissen, ob ein Arbeitsablauf wertschöpfend ist oder Verschwendung beinhaltet. Um Verbesserungen zu realisieren und die Produktivität zu steigern ist vielmehr eine detailliertere Analyse der Verschwendung erforderlich, welche über die Identifikation von Verschwendungsarten und -typen hinausgeht (zur Definition vgl. dieser Blog-Beitrag). Hierbei unterstützen die REFA-Methodenlehre und insbesondere deren Ablaufarten.

Die Ablaufarten ermöglichen es, Arbeitsabläufe im Arbeitssystem lückenlos und differenziert zu analysieren. Bezug genommen wird dabei auf Mensch, Betriebsmittel, Arbeitsgegenstand und Information.

Bild 1 zeigt exemplarisch die Ablaufarten des Menschen für das Ausführen.


Bild 1:  REFA-Standard Ablaufarten „Ausführen“, bezogen auf den Menschen (Quelle: REFA-Grundausbildung 4.0)

Es ist ersichtlich, dass nicht jeder Ablaufabschnitt der Wertschöpfung dient. Der Mensch kann nur dann wertschöpfend für das Unternehmen sein, wenn er im Einsatz ist. Ist der Mensch außer Einsatz (z.B. wegen einem längeren Stromausfall oder längeren Maßnahmen zur Instandsetzung) oder ruht der Betrieb sogar ganz (z.B. wegen Kurzarbeit), dann ist der Mensch nicht tätig oder am Arbeitsplatz nicht anwesend, wodurch er folglich auch keine Wertschöpfung erzielen kann.

Doch auch wenn der Mensch im Einsatz ist, so ist dies nicht immer wertschöpfend für das Unternehmen: Grundsätzlich kann nur die Ausführung einer Haupttätigkeit für das Unternehmen wertschöpfend sein, da diese der Erfüllung des Kundenauftrags dient. Allerdings gibt es in der betrieblichen Praxis auch Haupttätigkeiten, welche nicht wertschöpfend sind. Alle übrigen Tätigkeiten sowie das Unterbrechen der Tätigkeit sind Verschwendung.

Die Ablaufarten geben erste Hinweise für Optimierungspotenziale des Arbeitssystems: So ist z.B. eine zusätzliche Tätigkeit im Ablauf nicht vorgesehen. Beispiele sind z.B. Nacharbeiten, die Beschaffung fehlender Informationen zur Durchführung der Arbeitsaufgabe oder die Beseitigung einer technischen Störung durch den Mitarbeiter (obwohl dies nicht seine Aufgabe ist). All dies sind nicht wertschöpfende Tätigkeiten für das Unternehmen, die es somit zu eliminieren bzw. zu reduzieren gilt. Hierfür ist zunächst die Ursache für die zusätzliche Tätigkeit zu finden – bei Nacharbeiten kann dies z.B. auf mangelhaftes Material oder wartungsbedürftige Betriebsmittel zurückzuführen sein. Im Anschluss können Maßnahmen zur Beseitigung der Ursache ergriffen werden. Analog ist auch bei der Unterbrechung der Tätigkeit des Menschen vorzugehen, die ablauf-, störungs- oder persönlich bedingt sein können und dementsprechend mit unterschiedlichen Maßnahmen angegangen werden müssen.

Die Ablaufarten grenzen somit die mögliche Ursache für die Verschwendung ein. Die REFA-Methodenlehre stellt weitere Werkzeuge zur Verfügung, mit denen zielgerichtet eine vertiefte Analyse durchgeführt werden kann. Die REFA-Grundausbildung 4.0 liefert hierfür das Basis-Know-how in Industrial Engineering. Der REFA-Arbeitsorganisator hat die Qualifikation Arbeitsabläufe zu analysieren und zu strukturieren, Arbeitsplätze arbeitsorganisatorisch und ergonomisch zu gestalten sowie Prozessdaten zu ermitteln und anzuwenden. Für die operativen Prozess- und Wertstromgestaltung wird Problemlöse- und Handlungskompetenz durch die Ausbildung zum REFA-Techniker IE vermittelt, während die Ausbildungen zum REFA-Industrial-Engineer sowie zum REFA-Ingenieur dies auf strategisch Ebene übernehmen.

 

 

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